Futtertiere, Rezepte & Mixturen


Da vermutlich jeder Fröschler seine Rezepte als die besten die es jemals gab, gibt und je geben wird empfindet, sei jedem die Bereitung und "Verfeinerung" selbst überlassen. Ich bringe hier nur die von mir verwendeten Möglichkeiten ein, die ich aus Literatur, Foren, Gesprächen mit anderen Froschverrückten und eigenen Experimenten zusammengestellt habe und z.Z. verwende.

Eine gute, vitaminreiche Anfütterung der Futtertiere ist wichtig, ersetzt aber nicht das Einstäuben der Futtertiere! Desweiteren kann man z.B. die Fruchtfliegen vor dem Verfüttern mit Multi-Sanostol tränken. 

Für eine relativ milbenfreie Drosozucht empfehle ich:

  1. zwischendurch ruhig auch mal frische Ansätze zu kaufen
  2. große Lüftungslöcher in den Bechern
  3. nicht zu wenig Fruchtfliegen in den neuen Ansatz
  4. die Drosobecher in den Kisten in eine dünne Schicht Talkum zu stellen und
  5. vor dem "Neuansetzen" die eingestäubten Drosos einige Minuten über Kopf stellen, so fallen ein Großteil der Milben heraus

 

Desweiteren sei erwähnt, dass selbst die beste und stabilste Futtertierzucht irgendwann überzüchtet ist oder das Zuchtsubstrat (z.B. bei Springschwänzen etc.) an Mineralien und Nährstoffen verloren hat. Wenn also mal eine Zucht eingeht, muss es nicht zwingend an Temperaturen, Jahreszeiten, schlechten Ansätzen o.ä. liegen. Irgendwann ist schlichtweg mal "die Luft raus"!


Fruchtfliegen-Brei (Heim-Rezeptur) --- Drosophila

 

-500g Haferflocken

-4 Messlöffel Babymilchpulver

-2000g reife Bananen

-250g Bierhefe

-0,3l Apfelessig

-2 EL Paprika edelsüss

-etwas Vitaminpulver

-evtl etwas Milch zum Verdünnen (>zähflüssiger Brei)

 

Anschließend warm stellen, ca 1-2 Std aufgehen lassen, umfüllen, Holzwolle drauf, fertig zum Drosobesatz oder einfrieren (dann natürlich ohne Holzwolle).

Zusätzlich kann (oder sollte) man möglichst frisches Obst geben.Die Fliegen stehen bei mir im Keller bei ca 20-22°C. Wichtig: große Lüftungsfläche in den Deckeln und auch etwas Licht!

Um sowohl den entfleuchten Fruchtfliegen als auch den Milben Einhalt zu gebieten, stelle ich die Becher in Kisten, die ich ca 1-2 cm hoch mit Talkum fülle. Alternativ geht aber auch Wasser und ein Tropfen Spüli. Letztere bricht die Oberflächenspannung des Wassers und die "Ausreißer" ertrinken bevor sie weit kommen. Die nicht ganz so günstige Talkum-Variante ist allerdings geruchsärmer und dauerhaft länger einsetzbar als Spüli-Wasser.


Drosophila-Instant-Brei --- Drosophila

Das käuflich zu erwerbenden Instantpulver muß nicht weiter verfeinert werden:

 

-ca. 500 ml Instant-Pulver

-ca. 300 ml Wasser

 

Die Wassermenge kann nach Hersteller bzw Konsistenz des Pulvers variieren!

Das Ergebnis soll auch hier ein zähflüssiger Brei sein. Anschließend 10 min ziehen lassen, umfüllen, Holzwolle drauf, fertig! Auch hier verfahre ich wie mit dem eigenem Brei:

Um sowohl den entfleuchten Fruchtfliegen als auch den Milben Einhalt zu gebieten, stelle ich die Becher in Kisten, die ich ca 1-2 cm hoch mit Talkum fülle. Alternativ geht aber auch Wasser und ein Tropfen Spüli. Letztere bricht die Oberflächenspannung des Wassers und die "Ausreißer" ertrinken bevor sie weit kommen. Die nicht ganz so günstige Talkum-Variante ist allerdings geruchsärmer und dauerhaft länger einsetzbar als Spüli-Wasser.


Springschwänze/ Asseln --collembola/Trichorhina

Als Substrat nutze ich einfache Erde, Humus und etwas Schrot in Boxen von ca 10 Litern für Springschwänze und 30-40 Litern für die Asseln. ACHTUNG: Wie oben erwähnt ist auch die beste Erde/der beste Humus irgendwann erschöpft!!! Ich erneuere deshalb spätestens vierteljährlich die Substrate.

(Proffessionelle Futtertierhändler verwenden übrigens ausschließlich 1-Liter-Dosen für die Springschwanzzucht, da hier das Mikroklima am besten zu gewährleisten ist.)

 

Man kann den Springschwänzen/Asseln z.B. folgendes anbieten:

 

-Matzinger Hundeflocken (Gemüse-Variante, nicht Fleisch!)

-Bierhefe

-Erbsen

-Bohnen

-Linsen

-Kakao

-Babymilchpulver

-getrockneten Pilzen

-Vitaminen

-Orlux Lori (Vogelfutter)

-Bio-Getreidebrei

 

Ich experimentiere aber auch mit Küchenüberresten u.ä.. Desweiteren kann man z.B. Haferflocken mit Sojamehl, Fischfutterflocken und ab und zu mit Vitaminpräparaten zermahlen und in einen Streuer füllen, um besser dosieren zu können. Alternativ gibt es auch für diese Futtertiere im Handel erhältliches Fertigfutter (z.B. Collembolafix). Egal, welches Futter man verwendet, es KANN anfangen zu schimmeln. In diesem Fall Futterdosierung minimieren bzw kurzfristig einstellen und erst nachdem der Schimmel weg ist langsam (mit weniger Futter) wieder anfüttern. Auch sollte bei Schimmelproblemen die Substratfeuchtigkeit kontrolliert werden. Ich wische z.B. bei JEDER Fütterung die Feuchtigkeit von den Deckeln weg, um sie möglichst trocken zu halten.

Ich stelle die Springschwänze etwas abgedunkelt an eine ca 25°C warme Stelle. 

Wichtigster Punkt beim Springschwanzfutter:

Es sollte absolut MEHL-FEIN gemahlen sein und muss trocken und KÜHL gelagert werden (Kühlschrank oder noch besser Gefriertruhe).

Desweiteren ist ein kontinuierlicher Fütterungs-Rythmus sehr wichtig!

Mit den Asseln verfahre ich genauso, allerdings halte ich sie ein klein wenig feuchter und kühler und drücke die Platten (die zur Futterentnahme) richtig fest auf das Substrat. Bevor jetzt jemand fragt wieso, empfehle ich einen Blick unter jahrelang festgetrampelte Gehwegplatten im Garten ;-) das erste was man sieht sind... RICHTIG... ASSELN!!!

Bild 1:       weiße tropische Asseln

Bild 2 & 3: orange Asseln (die Jungtiere sind anfangs ebenfalls weiß)


Erbsenblattläuse --- Acyrthosiphon

-Erbsen (keine geschälten, die normalen)

-Füllwatte/Zewa/Malervlies

-Blumen- oder Graberde

 

Die Erbsen gut 12-24 Stunden in Wasser aufweichen lassen. Anschliessend abtropfen lassen und gut abspülen. Danach in einem 1000ml Becher ca 3cm hoch Erde, darüber eine Lage Watte, Zewa oder Vlies legen und etwas andrücken. Jetzt mit Wasser bis ca 2-3 cm oberhalb der Watte/Zewa füllen und nach 10 Minuten wieder vorsichtig abgiessen (Watte/Zewa festhalten). Wenn´s auf den Kopf gedreht nicht mehr tropft, wird es noch etwas angedrückt. Nun 3 Esslöffel von den angekeimten Erbsen drauf und - WARTEN! Vor dem Ansetzen schütte ich noch einmal kurz (und vorsichtig) die überzähligen bzw nicht angegangenen Erbsen ab, um beim späteren "Ausschütten" keine oder möglichst wenig Erbsen auf die EBLs zu schütten (die angegangenen Erbsenpflanzen haben dann ja schliesslich Wurzeln). Nach einigen Tagen sind die Erbsenpflanzen einige cm hoch gewachsen und bereit für den Ansatz. Pflanzen und Tiere benötigen Zimmertemperatur und ca 12-14 Std Licht.

Kleiner Tipp noch: Nicht am falschen Ende sparen, zu billige Erbsen haben oft auch zu wenige oder gar keine Keimlinge, fangen an zu schimmeln oder ähnliches. Also bevor Eure Zucht zusammenbricht, gönnt Euch besser von vornherein hochwertige Qualitätserbsen (bzw Saaterbsen, aber auf keinen Fall Schälerbsen).


Weizenblattläuse --- Diuraphis

-Bio-Weizen

-Blumen- oder Graberde

-möglichst dichter Behälter

Ähnlich wie die Erbsen werden auch die Weizenkörner 24 Stunden eingeweicht. Anschliessend abtropfen lassen und gut abspülen. In 500ml Bechern ca 1-2cm hoch feuchte Erde füllen, Weizen drauf (nicht rein!) und fertig! Nach einigen Tagen ist der Weizen mehrere Zentimeter hoch und bereit fürs Ansetzen.

Im Gegensatz zu den standort-treuen EBL halte ich die sich sehr schnell verbreitenden Weizenblattläuse in einer dichten, aber licht- und luftdurchlässigen Styroporkiste (siehe Bauanleitungen unter Tips, Tricks & Downloads). Licht und Temperatur sind mit 12-14 Stunden und ca 20-24°C gleich denen der Erbsenblattläuse. Einziger Unterschied ist, dass der Weizen deutlich schneller wächst als die Erbsen.

Bei den WBL ist - ebenso wie auch bei den EBL - ein sehr wichtiger Faktor übrigens die Hygiene: Wer hier am falschen Ende spart und z.B. dreckige Becher wieder verwendet oder aber die Dosen nicht richtig verschließt, hat seine Blattläusezucht schneller in eine Droso-Zucht verwandelt, als man "FROSCH" sagen kann.


Ofenfischchen --- Thermobia

Die Ofenfische halte ich in einer abgedunkelten, ausbruchsicheren Box bzw. einem isolierten Kleinterrarium (siehe Bauanleitungen unter Tips, Tricks & Downloads) bei möglichst 35-40°C. Aufgrund der hohen Temperatur empfehlen sich z.B. Heizungskeller o.ä.

Ausbruchsicher aus dem Grunde:

Einmal entfleucht, machen sich die Tierchen gerne auch an Tapeten o.ä. zu schaffen und können so u.U. große Schäden verursachen.

 

In der Box befindet sich:

-ein Wasserschälchen mit perforiertem Deckel (für Luftfeuchtigkeit)

-Watte für Eiablage

-Versteckmöglichkeiten (zusammengerollte Pappe, Eierkartons, leere Klopapierrollen etc)

-Futter, bestehend aus Haferflocken, Fischfutterflocken, Vitaminen

 

Die sehr stressempfindlichen Ofenfischchen sollten direkt (und sehr vorsichtig) aus den Papprollen ins Terrarium gegeben werden, da anderenfalls sehr viele Futtertiere nur noch tot im Becken landen und dann (da unbewegt) nicht mehr von den Fröschen gesehen und gefressen werden.

Alternativ zu oben erwähnter Zuchtvariante können Ofenfische auch in einfachen Plastikboxen mit Papprollen, Eierkartons, Fischfutter, einem feuchten Wattepad bzw einem Wasserschälchen mit perforiertem Deckel und entsprechender Wärmezufuhr (in meinem Fall ein thermostatgesteuertes Heizkabel verlegt in Styrodur + Fliesen als Wärmespeicher) gezüchtet werden.


Wiesen-plankton

-heller großvolumiger Insekten-Kescher

-Besenstiel o.ä.

-trockene Wiese, Felder, Garten (knöchel- bis kniehoch)

 

Unter Wiesenplankton versteht man alle möglichen Insekten, die in Gärten und auf Wiesen und Feldern vorkommen und die - mit einem entsprechenden Insekten-Kescher gefangen - das beste Futter für unsere Frösche darstellen. Leider ist das Keschern nur im Sommer, also grob von April bis September, möglich und es gibt einige weitere Punkte zu beachten:

 

- einige Insekten stehen nach CITES unter Naturschutz und dürfen nicht gefangen oder verfüttert werden, also bitte im Vorfeld (z.B. beim Naturschutzamt) informieren.

- das "Fang-Areal" sollte unbedingt unbelastet sein, d.h. es dürfen keine Pestizide, Dünger oder ähnliches verwendet worden sein. Auch sollte die Wiese fern von viel befahrenen Straßen und anderen Umweltbelastungen sein.

- VOR der "Wilderei" sollte man sich darüber hinaus über die Besitzverhältnisse der Wiese erkundigen und gegebenenfalls das Einverständnis des Besitzers einholen.

 

Ich habe einen großen Kescher an einem Maler-Teleskop-Stiel montiert  und am spitzen Ende des Beutels ein kleines Loch eingeschnitten, um dort direkt beim Keschern schon die Insektenbehälter zu befestigen. Auf diese Art entfällt schon einmal das nervige Umfüllen. Die Befestigung habe ich über eine E27-Fassung und passende Kunststoffbehälter umgesetzt, so dass ein schneller einfacher Behälterwechsel durch simples Umstecken möglich ist. So kann man recht zeitsparend mehrere Behälter füllen.

Was die "Beute" angeht, so sollte man nicht nur aus Naturschutzgründen vor dem Verfüttern ein Auge riskieren. Es empfiehlt sich z.B., mal abgesehen von den für Dendrobaten eh zu großen Insekten, auch Spinnen, Grillen, Heuschrecken und giftige oder stechende Insekten auszusortieren. 

Das Verfüttern sollte zeitnah geschehen, da Wiesenplankton nicht allzu lange in den Behältern überlebt.

Als beste Zeit für Wiesenplankton sehe ich die Morgen- und Abendstunden an.


Bohnenkäfer --- Acanthoscelides                        (nicht mehr auf der Speisekarte)

Für die Bohnenkäfer habe ich früher die typischen kleinen weißen Bohnen verwendet und gab einfach einen Teelöffel der Tiere auf einen neuen Ansatz. Dass diese Futtertiere eine extremst langsame Vermehrungsquote haben, empfand ich als recht optimal, da diese Insekten aufgrund ihres sehr harten Chitinpanzers - wenn überhaupt - nur sehr selten verfüttert wurden. Die Frösche schienen nach dem Verzehr regelrechte Würgeattacken zu haben, da aber in der freien Natur niemand den Dendrobaten erklärt, welche Insekten sie zu fressen haben und welche nicht, sehe ich keinen Grund, sie sofort gänzlich zu "verteufeln". Andererseits häufen sich die Angaben von Dendrobatenhaltern, die diese Käfer verfüttert haben und anschliessend bei einigen Fröschen Prolaps (Darmvorfall) festgestellt haben, womit ein Zusammenhang recht naheliegt.

Es bleibt also jedem selbst überlassen, Bohnenkäfer auf den Speiseplan zu setzen oder aber eben vielleicht besser doch nicht.


Quappentee

- 0,5 Liter Wasser

- 10-15 Erlenzapfen

- 3-4 Eichenblätter


Die Erlenzapfen und die Blätter mit dem Wasser kochen, abkühlen und ziehen lassen, anschließend mit einem Filter (Kaffeefilter o.ä.) abseien.

Dieses Konzentrat zu ca. 100ml auf 10 Liter abgestandenes oder enthärtetes Wasser zusetzen.


Drosophila-Falle

Wer die elektrische UV-Variante nicht mag, dem kann ich folgende bewährte Rezeptur in einer kleinen flachen Schale ans Herz legen:

 

-1 Teil Wasser

-1 Teil Essig

-etwas Zucker

-1-2 Tropfen Spüli (darf nicht schäumen)

 

Von Zeit zu Zeit frisch anmachen, dann schafft´s einen drosofreien Raum!

Ich habe mir mal den Spass gegönnt, meine "Suppe" mit einer proffessionellen Flüssigkeit zur Drosophila-Bekämpfung eines namhaften Schädlingsbekämpfers zu vergleichen.

Das Ergebnis nach 1 Woche:

In der Profi-Flüssigkeit: 5-8 Fliegen

In meiner Suppe: ca 30-40 Fliegen