Gifte


Mythen und Fakten

Dendrobates tinctorius Nominat
Dendrobates tinctorius Nominat

Die Hautgifte der Dendrobatidae sorgten u.a. für eine Legende, nach der die Guyana-Indianer Papageien einige grüne Schwanzfedern rauszogen, diese Stelle mit dem Toxin bestrichen, woraufhin angeblich rote Federn nachgewachsen sein sollen. Obwohl diese "Prozedur" nie wissenschaftlich nachgewiesen wurde, kam Dendrobates tinctorius so zu seinem deutschen Namen Färberfrosch (lat. tinctorum = gefärbt).

Die Frösche sind ausnahmslos in freier Wildbahn (bedingt durch die Futteraufnahme), bzw für eine gewisse Zeit als frisch importierter Wildfang noch giftig. In unseren Terrarien verlieren Wildfänge ihre Giftigkeit nach kurzer Zeit und Nachzuchten sind eh von Beginn an ungiftig. Auch ohne Verletzungen oder Kratzer an den Händen sollten die Tiere jedoch wie giftige Tiere gehandhabt werden, nicht zu unserem Schutz, sondern in erster Linie zum Schutz der Tiere. Unfreiwillige Berührungen sollten, falls nicht unumgänglich, nur mit sterilen Händen oder noch besser mit puderfreien Einweghandschuhen erfolgen.

 

Der Sinn und Zweck des Hautgiftes liegt auf der Hand:

-zum einen zum Schutz vor vielfältig vorkommenden Fressfeinden

-zum anderen zum Schutz der empfindlichen Haut vor Bakterien & Parasiten 

Die Haut von Fröschen ist das empfindlichste Organ, welches teilweise die Funktion der Atmung, der Feuchtigkeitsregulierung, aber auch der Ausscheidung übernimmt, bzw. unterstützt. Eine 10%-ige Zerstörung der Haut unserer Anuren hätte deren Tod zur Folge.

 

Und ja, auch Frösche häuten sich; nicht nur während des Wachstums, sondern natürlich auch danach. Da tagaktive Frösche dies jedoch in den sehr frühen Morgenstunden zu tun pflegen (bevor das Licht angeht/nachtaktive dementsprechend abends), sind sie selten dabei zu sehen. Es sieht nach einem ziemlich unappetitlichem schleimigen Frühstück aus, welches die Tiere zu sich nehmen, so dass nur selten etwas davon im Terrarium zurückbleibt. Wer dieses "Mahl" das erste Mal in den Mundwinkeln der Frösche sieht, ist meist entweder angewidert oder bekommt (aus Unwissenheit) Angst um seine Tiere.

 

D. t. Azureus und A. callidryas beim Verspeisen der "alten" Haut

 

 

Phyllobates terribilis LaBreá
Phyllobates terribilis LaBreá

Den Namen schrecklicher Blattsteiger (oder schrecklicher Giftfrosch) trägt dieses Exemplar (Phyllobates terribilis) vermutlich mit der meisten Berechtigung unter all seinen Artgenossen. Obwohl bei Nachzuchten und hier in Terrarien gehaltenen Tieren kein Gift mehr nachzuweisen ist, führte vermutlich die Kombination der Ausdrücke "schrecklich" und "Giftfrosch" zu dem - an sich völlig schwachsinnigen, aber behördlich verhängten - zwischenzeitlichen Haltungsverbot der in Terrarien gehaltenen, völlig ungefährlichen Tiere im Bundesland Hessen.

Scheinbar haben die Fachleute der DGHT die Bürokraten in jener Region inzwischen über ihre Unwissenheit aufgeklärt, da die Haltung in Hessen wieder gestattet ist.

 

 

Kommen wir nun von der staatliche Bevormundung und hirnlosen Kaputtregulierung durch unsere Bürokratie zu einer weiteren unüberlegten Verbreitung von falschen Informationen über Dendrobatidae:

http://deutschesmietrecht.de/hausordnung/53-tierhaltung-hamster-hund-katze.html

Dort wird aufgrund von Mythen, Halbwahrheiten, Vorurteilen und Unwissen sogar ein Urteil begründet, das die Massenhaltung von (!!!) GEFÄHRLICHEN (!!!) Tieren regelt, bei denen Pfeilgiftfrösche im Allgemeinen einfach erst einmal grundsätzlich eingeschlossen werden (Giftschlangen mögen da evtl. noch Sinn machen).

Die Tatsache, dass in diesem Kontext (leider) zu meiner Rubrik "Gifte" verlinkt wird, findet (aufgrund der fachinhaltlichen Differenzen) meinerseits zwar in keinster Weise Zustimmung, aber zumindest habe ich so die Möglichkeit, den einen oder anderen zusätzlichen Leser noch über die "Giftigkeit" - bzw. eben halt Ungiftigkeit - der Dendrobaten-Nachzuchten aufzuklären und davor zu bewahren, solchen Nonsens ohne Hinterfragung einfach als Fakt zur Kenntnis zu nehmen oder gar zu glauben.

Der geneigte Leser dieser Webseite oder der wirklich interessierte Hobby-Einsteiger weiß schließlich, dass Dendrobatidae AUSNAHMSLOS in ihrem natürlichen Habitat (welches in Süd- und Mittelamerika liegt und somit verhältnismäßig wenig mit deutschem Mietrecht zu tun hat) giftig sind und selbst nach einer eventuellen Einfuhr als Wildfang, Importtier oder Farmzucht nach Europa innerhalb kurzer Zeit gänzlich ungiftig sind.

 

Die Nahrungskette und Verteilung des Giftes stellt sich vereinfacht wie folgt dar:

 

  • Existenz giftiger Pflanzen im subtropischen Regenwald (nicht etwa in Wanne-Eickel oder Bottrop)
  • gift-resistente Kleinstinsekten wie Käfer, Termiten, etc. fressen diese Pflanzen und speichern das Gift (noch immer im Regenwald)
  • ebenso imune "Pfeilgiftfrösche" fressen diese Insekten und speichern dieses Gift ebenfalls (Richtig,... IM REGENWALD)
  • Frosch kann zum Schutz oder unter Stress das Gift über Hautdrüsen ausscheiden, vorausgesetzt er hat genug giftige Futtertiere (...)
  • Frosch kommt nach Gelsenkirchen, wo es "nur" Drosophila, Springschwänzchen, Asseln, Erbsen- und Weizenblattläuse gibt. 
  • Frosch verliert Giftigkeit. "Giftiger" Frosch ist integriert und fällt unter das deutsche Mietrecht.

 

 


Scherz beiseite. Man sollte das in freier Wildbahn vorkommende Gift der Dendrobaten auf keinen Fall unterschätzen:

Blasrohr / Pfeilgift
Blasrohr / Pfeilgift

Das in der Natur produzierte Batrachotoxin von Phyllobates terribilis zählt zu den wirkungsvollsten Giften der Natur (Es gibt nur drei Tiere weltweit, die noch giftiger sind / siehe weiter unten). Es lähmt Muskeln und Atmung des "Opfers".  Das Gift eines einzigen Frosches reicht aus, um 10 Menschen zu töten. Laut der indigenen Ureinwohner, die ihre Blasrohre mit dem Gift von Ph. terribilis behandeln, schafft ein rennender, von einem Pfeil getroffener Mensch noch max. 10 Schritte, bevor er tot zusammenbricht. Heute nur noch von sehr wenigen Indios zur Jagd genutzt, haben die vergifteten Pfeile früher auch in Kriegen innerhalb der indigenen Stämme Verwendung gefunden.

(Bildquelle: gt-media.tv)

 

Den Namen Pfeilgiftfrösche verdanken unsere Pfleglinge jedoch nur 3 tödlich giftigen Dendrobatiden (von über 250 verschiedenen Arten), die von den kolumbianischen Indianern zur Vergiftung der Pfeile genutzt werden:

 

-allen voran:                       Phyllobates terribilis (schrecklicher Blattsteiger)

-gefolgt von:                       Phyllobates bicolor (zweifarbiger Blattsteiger)

-und last but not least:       Phyllobates aurotaenia (Goldstreifen Blattsteiger)

 

Nahezu alle anderen freilebenden Dendrobaten sind zwar ebenfalls giftig, in den seltensten Fällen jedoch tödlich. Hat man allerdings über Schleimhäute oder offene Wunden deren Gift aufgenommen, kann es zu Ausschlag, Fieber, Übelkeit, Krämpfen, Magen- Darmvergiftungen und Muskelzuckungen kommen.

 

Hier einige Alkaloide unserer Pfleglinge:

 

BTX =Batrachotoxin

(z.B. bei Phyllobates / letale Dosis 0,002 mg/kg)

PTX =Pumiliotoxin

(oder in vom Frosch modifizierter Variante: aPTX= Allopumiliotoxin

HTX =Histrionicotoxin

 

Angebliche Gegengifte:

-Tetrodotoxin

-Epidatidin (noch in der Forschung) 

 

 

Gift- / Toxinlieferant
Gift- / Toxinlieferant

Die Pumiliotoxine und Allopumiliotoxine gelangen durch den Verzehr von Milben,  andere Gifte durch die Aufnahme von Ameisen und Käfern in den Körper der Frösche. Durch das Verspeisen dieser giftigen Beutetiere können die Dendrobaten dessen Toxine akkumulieren und die Giftstoffe  im eigenen Organismus verändert oder auch unverändert über die Haut wieder ausscheiden. So enthalten Frösche der Gattung Dendrobates das Enzym Pumiliotoxin 7-Hydroxylase, das Pumiliotoxin in das weitaus giftigere Allopumiliotoxin umwandelt.

(Bildquelle: http://www.dendrobase.de/)

 

 

Neben den Pfeilgiftfröschen gibt es z.B. auch einige wenige Vögel, die über Homobatrachotoxin verfügen. Bei ihnen wurde, neben Termiten und Milben, ein Käfer als Giftlieferant ausgemacht. Das heißt, genau genommen sind natürlich die Pflanzen (die die Nahrung der Kleinstinsekten darstellen) die eigentlichen Giftproduzenten.

Zweifarbenpitohui   Blaukappenflöter    Wald-Dickkopf      Choresine pulchra

 

Bildquellen:

 chaosheim.de             hbw.com             tierdoku.com    animalworld.com.ua

 

 

Hier mal die aktuellen TOP 5 der giftigsten Tiere der Welt (in freier Wildbahn):

 

Platz 1: Die Seewespe (Chironex fleckeri)                                            - Qualle

Platz 2: Inland Taipan (Oxyuranus microlepidotus)                            - Schlange

Platz 3: Sidney-Trichternetzspinne (Atrax robustus)                           - Spinne

Platz 4: Schrecklicher Blattsteiger (Phyllobates terribilis)                   - Frosch

Platz 5: Kugelfisch (Diodon nichthemerus)                                          - Fisch