Krankheiten & Co


Da ich mir auf die Fahne geschrieben habe, auch die "unschönen" Seiten der Dendrobatenhaltung bzw. -zucht aufzuzeigen, wird in dieser Rubrik von sowohl eigenen als auch fremden Krankheits-, Todes-, oder Verletzungsfällen und Problematiken berichtet.

In vielen Fällen aber ist ein Tierarztbesuch ratsam oder gar unumgänglich.

Für diese Situation habe ich hier einen Download mit Adressen von Veterinären aus meiner Umgebung:

Ich möchte an dieser Stelle jedoch noch einmal explizit betonen, dass die hier angeführten Diagnosen, Therapien, etc. meiner eigenen Verantwortung unterlagen, bzw. mir von anderen Dendrobatenhaltern zugetragen wurden.

Es wird keine Gewähr, Haftung, Verantwortung, o.ä. bei Anwendung dieser Therapien übernommen. Wer also unsicher ist, sollte in JEDEM Fall den Tierarzt konsultieren.

 

 

 

Hautwunden & Häutungsprobleme

Solche und ähnliche Verletzungen enstehen ganz gerne mal durch Springen gegen Einrichtungen des Beckens oder die Scheibe, aber auch durch falsche bzw. scharfkantige Einrichtung. Bei kleineren Kratzern oder Hautwunden haben sich - nach Berichten mehrerer Froschhalter - Vitamin A-haltige Augentropfen bewährt, die dem entsprechenden Tier aufgetragen werden muss. Die flüssige Variante (Tropfen oder Spray) ist dabei einer Salbe vorzuziehen, um den Dendrobaten unnötigen Stress zu ersparen. Der Tierarzt im allgemeinen verschreibt oft auch BAYTRIL, ein Antibiotika, das zu 0,2 ml auf 1 Liter Wasser über 5 Tage im Sitzbad angewandt wird. Diese Medikation kann sowohl als Sitzbad in einem sterilem seperatem Quarantänebecken, als auch u.U. über die Beregnung (Verdünnungsfaktor und betroffene Terrarien beachten!) verabreicht werden. Ich persönlich habe bei leichten Problemen auch recht gute Erfahrung mit RINGER-INFUSIONSLÖSUNG B. BRAUN gemacht. Einem adulten appetitlosen Frosch, der plötzlich einen Grauschleier auf dem Rücken hatte, habe ich ca. 0,5 ml täglich über den Rücken geträufelt und schon nach 24 Stunden fraß er wieder normal und das Hautproblem verschwand innerhalb einer Woche. 

Pfeilgiftfrosch mit Infektion
Pfeilgiftfrosch mit Infektion

 

 

 

Phyllobates terribilis LaBréa mit bakterieller Infektion

U.U. kann auch eine bakterielle Infektion (Keime o.ä.) Ursache sein. Aus diesem Grunde bin ich vor einiger Zeit dazu übergegangen, die klassischen Wassergräben der Dendrobatenterrarien -in denen sich organische Abfälle wie abgestorbene Pflanzen, Kot der Frösche und tote Futtertiere durch Spülen des Beckens (Beregnung) sammeln- nur noch als Drainage bzw Abfluss zu nutzen. Eine Schale mit täglich frischem Wasser ist wesentlich hygienischer und wird von den Fröschen ebenso gerne zum Baden genutzt.

 

 

 

Hier gut zu sehen, der Grauschleier auf Kopf, Rücken und Hinterbeinen vor der Behandlung (linkes Bild).

Derselbe Frosch einige Monate nach der Behandlung. Selbst die offene Wunde hinter der Schulter ist verheilt (rechtes Bild).

 

 

Darmvorfall

Ursache für einen Prolaps (Darmvorfall - Austreten des Darms an der Kloake) ist meist eine bakterielle Infektion oder eine Mangelversorgung. Ein weiterer Risikofaktor der Prolaps begünstigt ist -nach Angaben mehrerer Froschhalter- das Verfüttern von Bohnenkäfern. Der extrem harte Chitinpanzer dieser Insekten scheint (mal abgesehen von den regelrechten Würgeattacken der Frösche) der Verdauung unserer Dendrobaten große Probleme zu bereiten.

Hilfreich ist zunächst auch wieder das obligatorische Sitzbad. Führt dies nicht zum gewünschten Erfolg, haben einige erfahrene Froschhalter den Prolaps mit einem sterilen Wattestäbchen vorsichtig zurückgeschoben bzw. massiert und dem Tier in der nächsten Zeit nur wenig und kleine Nahrung angeboten. Dies sollte im Zweifelsfall allerdings besser nur vom TA vorgenommen werden.

Es soll ANGEBLICH(!) auch schon Fälle gegeben haben, in denen das Bestäuben des ausgetretenen Darms mit Puderzucker (--->Entwässerung und somit Kontraktion des Gewebes) ausreichte, um ein eigenständiges Zurückziehen der Innereien zu bewirken. Dies kann ich allerdings mangels Anwendung weder bestätigen noch empfehlen. 

Darmvorfall / Prolaps
Darmvorfall / Prolaps

 

 

 

Dendrobates auratus Karibikseite mit Prolaps (Darmvorfall) in frühem Stadium.

(Bildquelle: Patricia Marmelade)

 

 

Würmer & Parasiten

In dem Fall, dass die Tiere plötzlich stark abmagern oder im Kot der Tiere Würmer oder Blut vorgefunden werden, rate ich dringendst, so schnell wie möglich einen Tierarzt aufzusuchen. In meinem Fall wurden die Frösche erfolgreich mit einer Wurmkur behandelt (CONCURAT). Dosierung lt. Tierarzt 1 Tüte (7,5g) auf 3,5 Liter Wasser. Das ganze über 2 -3 Tage anwenden (täglich frisch bereiten).


Hin und wieder werden Amphibien und Reptilien auch von sogenannten Flagellaten befallen. Diese Darmbakterien befallen zusätzlich zum Verdauungstrakt auch Lunge, Galle und das Harnsystem. Auffallend auch hier Symptome wie starke Abmagerung, Zittern und apathisches Verhalten. Der Tierarzt verschreibt in diesen Fällen meist METRONIDAZOL


Es sollte auch auf z.B. Nacktschnecken (die u.a. durch Moos, Pflanzen, Futtertiere und deren Wirtspflanzen oder Pinienrinde in die Terrarien gelangen) geachtet werden, da diese Wirte für Parasiten und Bakterien darstellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Frösche diese Schnecken fressen ist zwar eher gering, aber warum Risiken eingehen. Die Schnecken lassen sich entweder per Hand absammeln, oder man legt über Nacht ein dickes Stück Schlangengurke ins Becken, mit diesem kann man die Plagegeister am nächsten Morgen zu 99% entnehmen.

Des weiteren können kleine (ca.3mm) Schnecken mit Gehäuse oder auch schonmal Tausendfüßler als unerwünschter Besatz im Terrarium vorgefunden werden. In diesem Fall hilft ausschließlich penetrantes und konsequentes Absammeln.

Nacktschnecken
Nacktschnecken

 

 

Wasserbauchsucht / Verfettung

Grade bei der Terrarienhaltung ist darauf zu achten, dass unsere Pfleglinge nicht verfetten oder Mangelerscheinungen aufweisen. Dies kann sehr schnell passieren, wenn man es bei den (meist gut gemeinten reichlichen) Futtergaben zu gut meint, die Tiere zu wenig Bewegungsradius haben, zu einseitig oder mit mangelhaften Futtertieren ernährt werden oder aber auch einfach "nur" gestresst sind. Dieses Krankenbild ist häufig bei eh recht "schlecht gewachsenen" Tieren zu beobachten.

Besondere Kandidaten in dieser Hinsicht sind aus meiner Sicht z.B. Phyllobates terribilis und Excidobates mysteriosus. Betroffene Frösche blähen schnell durch "Fehlfütterung" oder Wasseransammlungen im Körper auf und sind dann kaum noch in der Lage zu fressen oder auch nur aufrecht zu sitzen, selbst die Vorderbeine können dann einzuknicken. Diese Wasseransammlungen unter der Haut sind die gefährlichere der beiden Verfettungsarten (Wasserbauchsucht) und führen meist (trotz TA-Besuch) zum Tod des Tieres.

Bei Luftansammlungen unter der Haut ist die Ursache meist "nur" eine Verstopfung, die man mit einem längeren Wasserbad (ca 31°C) in den Griff bekommen kann. Nachdem das Tier gekotet hat, kann es zurück ins "normale" Becken.

 

Dendrobates tinctorius Azureus mit Wasserbauchsucht
Dendrobates tinctorius Azureus mit Wasserbauchsucht

 

 

Überlaichung

Ich habe keine Ahnung, ob es diesen Ausdruck so gibt, oder wie es richtigerweise heißen müsste. Wer den Fachausdruck kennt, möge mich bitte kontaktieren.

Gemeint ist jedenfalls der Umstand, dass einige Weibchen (oft die, die als einziges Weib mit einem oder mehreren Männchen gehalten werden), ihre Gelege das ganze Jahr über nicht reduzieren. Selbst wenn Faktoren wie Futter, Beregnung, Temperaturen o.ä. geändert werden. Trennt man die Geschlechter in diesem Fall nicht, kann es aufgrund von Erschöpfung zum Tod des weiblichen Tieres kommen. Erstes Anzeichen dafür ist, neben der hohen Gelegezahl, ein kontinuierliches Abmagern des Weibchens. Die Männchen der meisten Arten hingegen können meist mehrere Gelege/Weibchen betreuen. Es spricht also in manchen Fällen durchaus einiges für eine Gruppenhaltung mit etwas mehr Weibchen als Männchen (den nötigen Platz und die Verträglichkeit der geschlechtsgleichen Tiere vorausgesetzt).

Das Zauberwort heißt hier, wie auch in vielen anderen Bereichen: BEOBACHTEN!!!

Im übrigen sollte man im Falle von immer kleineren bzw seltener werdenden Gelegen auch ruhig mal eine Trennung in Betracht ziehen, auch wenn die Ursache hier eher im Gegenteil liegt, da die Trennung ja wieder vielversprechendere Gelege nach sich ziehen soll.

 

 

Tod durch Silikon

Es ist mir bisher vergönnt gewesen, meine Tiere (abgesehen von wenigen Ausnahmen) gesund und fit zu halten. Beim Einstieg in dieses Hobby jedoch habe ich trotz Wartezeit wohl die Ausdünstungen des Silikons unterschätzt. Die Folge war u.a. der Tod eines sehr erfolgreichen Zuchtpaares. Nachdem der Ärger über mich selbst (nach sehr langer Zeit) verraucht war, besetzte ich das Terrarium problemlos neu. Da ich von Anfang an mit dem speziellen Aquariensilikon arbeite, empfehle ich hier auch jedem Neuling von anderen Silikonen (Bad- oder Bausilikon) Abstand zu nehmen. Letztere sind erfahrungsgemäß nämlich mit Fungiziden versetzt, um Schimmelbildung zu vermeiden/zu verzögern.

Diese Erfahrung lehrte mich, NOCH MEHR Geduld zu haben und das ganze als bitteres Lehrgeld zu sehen.

Aquariensilikon
Aquariensilikon

 

 

Stress

Mit einer der häufigsten Todesursachen bei Dendrobaten ist: Stress.

Je nach "Empfindlichkeit" unserer gepflegten Arten kann es mitunter schon reichen, ein Terrarium mit 1-2 Tieren zuviel zu besetzen, die Parameter (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, etc) nicht korrekt eingestellt zu haben, zu viele Futtertiere ins Becken zu geben oder die Tiere durch andere Einflüsse (zu häufiges Umquartieren, Lautstärke in der Umgebung, Zugluft, direkte Sonneneinstrahlung) zu stressen. Der momentan häufigste Fehler in Hinsicht auf Stress ist vermutlich die Unlust vieler Hobby-Einsteiger, sich im Vorfeld mit den Tieren und deren Verhalten und Anforderungen zu befassen. Da werden munter vollkommen unverträgliche (aber halt "so toll bunte Frösche") in einem - meist auch zu kleinen oder schlecht eingerichteten Becken - vergesellschaftet, ohne zu ahnen, dass diese Tiere teilweise untereinander ein sehr hohes Aggressionspotential haben können, welches nicht selten bis zum Tod führt.

Frosch unter Stress
Frosch unter Stress

 

 

Streichholzbeinchen

Streichholzbeinchen (oder Streichholzbeinchensyndrom SBS) ist ein amphibischer Defekt bei Quappen bzw. jungen Fröschen, deren vordere Extremitäten verkümmert und somit funktionslos sind. Unfähig sich selbst auf den Händen und Armen abzustützen, liegt der Frosch auf dem Bauch und verendet meist einige Tage später mangels Überlebensfähigkeit.

Ursachen für diese Krankheit können u.a. sein:

-schlecht ernährte Elterntiere

-Gendefekte

-Inzucht

-falsche oder zu stark schwankende Parameter (Temp., LF, ph-Wert, etc)

-minderwertige oder einseitige Ernährung (fehlende Supplementierung)

-schlecht entwickelte Gelege

Streichholzbeinchen
Streichholzbeinchen

 

 

Albinismus

Albinismus bezeichnet eine Störung der Melanine (Pigmente), was zu deutlich helleren Haut- und Augenfarben bei den Tieren führt. Ob es sich hierbei um eine (u.U. sogar vermeidbare) Krankheit oder eine Laune der Natur handelt, kann ich nicht beantworten.

Betroffene Tiere sind - insofern überhaupt überlebensfähig - meist um ein vielfaches licht- und noch mehr UV-empfindlicher als ihre nicht-albinotischen Artgenossen. Angeblich soll bei starkem bis vollständigem Albinismus auch die Sehkraft eingeschränkt sein.

Albino-Exemplar von Ranitomeya imitator Jeberos/Varadero
Albino-Exemplar von Ranitomeya imitator Jeberos/Varadero

Bildquelle: http://www.dendro-hannover.de/

 

 

Missbildungen

Erleiden Frösche im Quappenstadium bzw. vor oder während der Metamorphose eine Deformation oder Verletzungen, oder werden sie mangelhaft oder "falsch" ernährt, kann dies später zu sichtbaren Missbildungen, wie z.B. Wirbelsäulenverkrümmung oder fehlenden Gliedmaßen führen. 

Bildquelle links: Andreas Maurer

 

In vielen Fällen aber ist bei diesen Symptomen auch einfach eine Fehlernährung bzw. -Versorgung (u.U. schon bei den Elterntieren) verantwortlich. Auch Überzüchtung kann hier eine von vielen Ursachen sein.

Thanatose

Die Thanatose als solche ist natürlich keine Krankheit, sondern ein Reflex vieler Tiere, sich in Stresssituationen einfach tot zu stellen, um so der potentiellen Gefahr - z.B. durch Fressfeinde - zu entgehen. Man kennt diese Schockstarre in nahezu allen Bereichen der Tierwelt: Reptilien, Amphibien, Insekten, Vögel und sogar von einigen Säugetieren.

Thanatose (Totstellreflex) bei Ranitomeya imitator Jeberos/Varadero
Thanatose (Totstellreflex) bei Ranitomeya imitator Jeberos/Varadero

Chitrid

Der Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis = BD) ist ein Pilz, der Amphibien befällt. Der Verlauf der ausgebrochenen Krankheit Chytridiomykose endet häufig tödlich. Die in den 1980ern in Süd- und Mittelamerika, sowie Australien aufgekommene Krankheit hat (mittlerweile auch in Europa) die Bestände extrem dezimiert und einige Arten gänzlich ausgerottet. Man nennt dieses traurige Phänomen Weltweite Amphibienkrise!

Da es kaum sichtbare Anzeichen oder Symptome für diesen Pilzbefall gibt, bringt lediglich ein ins Labor geschickter Abstrich Gewissheit.

Inzwischen kann fast davon ausgegangen werden, dass BD in jedem vorhandenen Dendrobaten als Erreger vorhanden ist, jedoch nicht grundsätzlich ausbricht.

 

Präventionen VOR Terrarienbesatz: 

- strenge mehrwöchige Quarantäne

- Abstrich / Labor

- Terrarium kurzfristig auf sehr hohe Temperatur bringen (>48°C)

- ph-Wert im eventuellen Wasserteil unter 4 oder über 8 bringen 

 

Gegenmaßnahmen bei Infektion (NUR MIT TIERARZT-ABSPRACHE):

- Lufttemperatur auf 32°C erhöhen

- evtl. Wassertemperatur auf 26°C erhöhen

- Körpertemperatur auf 37°C erhöhen

- Therapie-Behandlung mit ITRAKONAZOL

 

Des Weiteren soll sich im Kampf gegen Pilze und Bakterien im Terrarium angeblich das Desinfektionsmittel F10 bewähren. Hierzu fehlen mir derzeit Erfahrungswerte.