Technik


siehe auch Untermenü >>>UPDATE<<<

 

 

So schön die Terraristik auch ist, so ist sie meisten doch immer auch mit Arbeit verbunden, die man sich teilweise durch Automatisierung abnehmen lassen kann, da der Mensch im allgemeinen (und ich im besonderen) eine faule Socke ist. Desweiteren ist es ein beruhigendes Gefühl, wenn es auf der Arbeit mal später wird oder man für 1-2 Tage auf einem Lehrgang ist und man weiß, das zumindest Temperatur, Lüftung, Licht und Beregnung ihren gewohnten Turnus absolvieren. Im Fall der Frösche macht ein Löwenanteil der Zeit und Arbeit die Futtertierzucht aus. Auf diesen Abschnitt gehe ich jedoch im Teil Futter näher ein.

Hier geht es nun erstmal um die Terrarientechnik als solche:

 

Wenn man den Tieren ein annähernd artgerechtes Biotop bieten möchte (und das sollte immer unser Ziel sein), kommen viele Faktoren, wie z.B. Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Einrichtung, etc ins Spiel. Da Pfeilgiftfrösche keine großen Ansprüche an die gestalterische Einrichtung ihrer Becken stellen, liegt es am Geschmack des Halters wie sie letztendlich aussehen. Ich empfehle allerdings, verschiedene Ebenen einzurichten (nach oben hin wärmer und trockener, unten feuchter und kühler), damit die Dendrobaten sich ihr Wohlfühlklima aussuchen können. Die Einrichtung/Bepflanzung sollte unseren Pfleglingen und deren unterschiedlichen Bedürfnissen soweit möglich angepasst sein. Das kann ein Stein als Trockenplatz sein, verschiedene Bromelien, Orchideen, Wurzeln, Höhlen, etc als Verstecke, aber auch Moose, Flechten, Laub und Torfstücke. Flache Wasserstellen - ob im Graben, in der Schale oder in den Achseln der Bromelien - sind natürlich unverzichtbar.

 

Bei der Beleuchtung reichen prinzipiell simple Zeitschaltuhren, um ca. 12 Stunden Licht zu schaffen. Man kann diese natürlich auch über Thermo-Control oder Aquarien-/Terrariencomputer - wie die von GHL (siehe weiter unten bei UPDATE) - laufen lassen. Ich verwende z.Z. LED-Module mit je 11W und einer Lichtfarbe von ca. 6000-6500K, also Tageslichtfarbe. Die Module sind ca. 2mm dick und müssen mit Wärmeleitkleber an die Kühlkörper geklebt werden. Anschliessend noch die 2 Pole angelötet und etwas Draht (1,5 qmm) um die Kühlkörper gebogen, damit man die Neigung der LEDs einstellen kann.

Man sollte jedoch die Spannung an den LEDs und die Auslastung der Netzteile im Auge behalten, da sich diese Werte sehr auf die Wärmeentwicklung der LEDs auswirken können. Alleine schon aus diesem Grund ist auf eine ausreichende Dimensionierung des Kühlkörpers zu achten.

  

 

 

 

Über Sinn, Notwendigkeit, Dauer und Intensität von UV-Beleuchtung wird seit geraumer Zeit unter Dendrobatenhaltern kontrovers diskutiert und sei an dieser Stelle einfach mal dahin gestellt und jedem Fröschler selbst überlassen. Einerseits gut für Knochen und Vitamin-D3-Bildung (was grade für Quappen und Jungfrösche sehr wichtig ist), andererseits am Boden des Regenwaldes aufgrund des Blätterdaches und der dichten Baumkronen kaum vorhanden (um nur 2 Gegensätze anzusprechen).

Man kann natürlich einiges durch gewissenhafte Supplementierung abfangen, aber komplett ersetzen? Wohl kaum!

 

Anders sieht es da schon mit der Temperatur und Luftfeuchtigkeit aus. Bei ersterer kann ich nur dringend zu einer thermostatgesteuerten Variante (welcher Art auch immer) raten, alle anderen Möglichkeiten (wie z.B. Zeitschaltuhren) sind für die Tiere zu riskant (entweder Überhitzung oder zu kalt) oder sehr umständlich. Ich persönlich habe anfangs mehrere Thermo Control Pro II von Lucky Reptile und einige selbstgebaute Temp.-Steuerungen benutzt. Zum einen hat die Pro II den Vorteil einer Tag-/Nachtabsenkung, zum anderen kann man gleichzeitig mit ihr das Licht schalten und hat direkt wieder eine Zeitschaltuhr gespart. Mehrere heisst jetzt nicht für jedes Becken eine, sondern lediglich pro "Etage", da vom Boden zur Decke eines Raumes (speziell in Kellern) einige Grad Temperaturdifferenz die Regel sind. Die Thermo Control Pro II hat imo nur 2 Nachteile:

1. ist der Fühler nur bedingt feuchtigkeitsresistent und sollte daher vor dem Verbauen dünn mit etwas Silikon überzogen werden und

2. läuft die "Echtzeituhr" nach wenigen Wochen mehrere Minuten nach oder vor, was ein regelmäßiges Abgleichen bei mehreren Thermo Control unumgänglich macht. 

Lucky Reptile Thermo Control Pro 2
Lucky Reptile Thermo Control Pro 2

Eine Grundtemperatur (Nachtabsenkung ca. 20°C) erreiche ich durch einen thermostatgesteuerten Raumheizkörper, sodass die Heizkabel unter der Frontgaze nur tagsüber etwas nach- bzw. dazuheizen müssen.

 

Was die unvermeidbar steigende Luftfeuchtigkeit im "Froschraum" angeht, kann ich - zumindest ab einer gewissen Anzahl an Terrarien-  nur dringendst empfehlen, einen Raumluftentfeuchter zu installieren und peinlichst gut zu lüften/heizen, um böse Schimmelschäden zu vermeiden.

           Links: Automatikthermostat                       Rechts: Raumluftentfeuchter

 

 

Für die Luftfeuchtigkeit gibt es drei Möglichkeiten:

 

1.) -Blumenpistole-

Die kostengünstigste und genaueste Variante ist, mit einer Blumenpistole selbst zu sprühen. Am zweckmässigsten haben sich die 5-15 Liter-Behälter mit Schlauch und Sprühstab erwiesen, die es im Baumarkt ab ca 15€ gibt. Dies ist bei einer bestimmten Anzahl an Terrarien natürlich mit Arbeit verbunden. Vorteil ist hier aber - abgesehen vom Preis - die exakteste Beregnung (Menge, Richtung, Dosierung, optische Kontrolle).

 

2.) -Nebler-

Die zweite Möglichkeit wäre einen Nebler (Fogger) einzusetzen, der zwar eine imposante Optik verschafft, aber zur Schaffung der benötigten LF alleine nicht immer ausreicht, also könnte man hier mit der ersten oder dritten Variante kombinieren.  Desweiteren muss man hier bei der Installation / Montage ein Gefälle in die Schläuche bzw Rohre bauen, um stehendes Kondenswasser (und somit Bakterienherde) zu vermeiden und eine regelmäßige und gründliche Reinigung zu ermöglichen. Der Einsatz von Neblern ist allerdings recht umstritten, da Bakterien & Co damit noch leichter in die Lungen der Frösche gelangen können. Nebler werden daher nur von sehr wenigen Dendrobatenhaltern eingesetzt.

 

3.) -Beregnung-

Die sinnvollste, angenehmste, am weitesten verbreitete, aber leider auch teuerste Art zu befeuchten ist die Beregnungsanlage. Diese sollte über eine sekundengenaue Zeitschaltuhr gesteuert werden, um möglichst exakt zu regeln. Eine Minute Regen ist - je nach Art der Düsen oder z.B. im Fall einer zu simulierenden "Trockenperiode" - u.U. schon zu viel. Die genauen Regenphasen sollte man durch experimentieren herausfinden. Ich fahre mit 65-85% tagsüber und 90-100% nachts ganz gut, überlasse allerdings die LF-Regelung nicht ausschliesslich der Beregnung, sondern sprühe hier und da zusätzlich von Hand. Wichtige Faktoren bei der LF und somit fürs gesamte Klima sind neben der Be- und Entlüftung natürlich auch: Art der Einrichtung, Menge der Pflanzen, Größe des Beckens und Lüftungsflächen im Becken, sowie Anzahl und Durchflußmenge der Düsen.

 

Unterm Strich sollte man idealerweise die 1. und 3. Art kombinieren, um eine gute und ausgewogene Luftfeuchtigkeit zu erreichen.

 

Hohe Luftfeuchtigkeit führt zu Schimmel, also müssen wir auch hier etwas unternehmen. Mit einer ordinären Zeitschaltuhr und einem oder mehreren Computerlüftern kann man hervorragend für eine Zu- und/oder Abluft sorgen, um Staunässe zu vermeiden. Den vorübergehenden Schimmel (kleine Stellen) bekommt man auch ganz gut in den Griff, wenn man ihn einfach immer wieder mit einem recht "harten" Wasserstrahl wegspritzt.

 

Mancher Regenwaldterrarianer schwört ausserdem auf Eichenextrakt, Erlenzapfen oder Eichenlaub, sowie Seemandelblätter (halt alles, was auch in Richtung "Quappentee" geht).

 

Wie auch immer man seine Anlage betreibt, es ist unumgänglich, die/das Becken vor dem Besatz eine gute Zeit lang einzufahren, um unseren Schützlingen eine möglichst optimale Unterkunft zu bieten. Es empfiehlt sich in dieser Zeit die/das Becken ausreichend mit Springschwänzen und Asseln anzuimpfen.

 


Links: Thermo Control Pro II (am Morgen)   

Rechts: Heizkabel im Alukanal unter der Frontlüftung (verhindern beschlagene Scheiben und erwärmen nur die Luft, nicht den Bodengrund, in dem die Tiere Abkühlung suchen würden)

 

Die LEDs befinden sich natürlich außerhalb der Becken oben im Lichtkasten, ebenso die PC-Lüfter.

 

Den Pflanzen scheint es sehr gut zu tun, wenn man sich beleuchtungstechnisch an der Lichtfarbe des Tageslichtes (6000-6500K) orientiert. Es bildeten sich innerhalb weniger Tage neue Triebe und Blüten.

 

 

Meine Beregnungsanlage besteht aus:

1.) mehrere Flüsterpumpen mit Schwingungsdämpfern  (Ring-Einspeisung)

2.) Wasserreservoir mit Feinfilter

3.) 6mm + 4mm Schläuche (im Ring verlegt)

4.) Sprühdüsen mit unterschiedlichem Wasserdurchlass

5.) "Wassergraben" mit Abfluss, Pinienrinde und Kakao- und Schraubenblättern

6.) nach Becken getrennte Abflüsse (wegen Krankheitsübertragung)

 Für die Abflußschläuche verwende ich herkömmliche Schläuche aus der Aquaristik, die ich mit Kabelverschraubungen aus der Elektroinstallation kombiniere (M20 oder M25). Auf diese Art kann ich (im Gegensatz zu den zu erwerbenden recht hohen Abflüssen) den Wasserstand im Graben bei Bedarf erhöhen, regulieren oder auch auf ein Minimum von 3-4mm senken (falls Wassergräben gewünscht sind).

Enthärtungsanlage Mischbettharz
Enthärtungsanlage Mischbettharz

Zur Wasseraufbereitung kommt bei mir eine Duo-Enthärteranlage, die auf 0-1°dH eingestellt ist, zum Einsatz. Dies dürfte in etwa der Härte von Regenwasser entsprechen. Den Fröschen würde härteres Wasser nicht schaden, aber für die Pflanzen und Scheiben ist es definitiv besser und die Düsen verkalken nicht so schnell bzw. gar nicht. Ich befülle damit mein Beregnungsvorratsbehälter, wo es absteht und wegen des ph-Wertes mit Erlenzapfen und Kakaoblättern versetzt werden kann. Mit einem Aquarienheizstab sichere ich noch eine Mindesttemperatur von ca. 19-20°C im Behälter. Dies eigentlich aber eigentlich nur, weil das Wasser im Keller (und da speziell im Winter) zu kalt wäre.

 

Enthärtungsanlage Mischbettharz
Enthärtungsanlage Mischbettharz

Der Vorteil dieser Anlage ist, dass ich im Gegensatz zu einer Osmoseanlage nicht alle paar Monate (oder gar Wochen) Filter etc. erneuern muss. Ich kaufe einfach einen Sack Salztabletten (ca. 5€) für die Regeneration der Quarz-Kartuschen und habe ungefähr 3-4 Jahre Ruhe. Desweiteren entnimmt der Enthärter im Gegensatz zu einer Osmoseanlage nicht ALLE Nährstoffe und Mineralien, die von den Pflanzen und speziell den Moosen benötigt werden. Obendrein entfällt nahezu kein Abwasser (bei Osmose ca 66% des Wassers). Negativ fällt allerdings der sehr hohe Anschaffungspreis einer solchen Enthärteranlage ins Gewicht.

 

 

Lüftung der Terrarien
Lüftung der Terrarien

Computerlüfter sind günstig, relativ leise und ideal für eine Belüftungsregelung gegen Staunässe. Ich habe je einen Lüfter pro "Etage", der die Stauluft aus den Lichtkästen nach draussen abtransportiert (rechter Lüfter an der Aussenwand) und desweiteren einen Lüfter pro Becken, der (nach vielem Experimentieren, ob aus dem Becken nach oben saugen oder ins Becken blasen) nun von oben ins Becken bläst, um die feuchte Luft darin zu verwirbeln. Der viel diskutierte Kamineffekt (von der unteren Frontgaze nach oben raus) benötigt aufgrund der aufsteigenden Wärme keine Unterstützung. Der in Regenwaldterrarien jedoch zeitweise unvermeidbare Schimmel wird durch die Verwirbelung etwas gebremst, zumindest besser, als durch ein Absaugen der Luft. Probiert es einfach mal mit einem leeren Becken und einem Nebler, Dampf, o.ä. aus...