Terrarien


In meiner Anlage kommen Terrarien unterschiedlicher Größe und Art zum Einsatz.

Prinzipiell kann man Dendrobaten in fast allen möglichen Terrarien halten, ob nun Standardbecken oder reines Dendrobatenbecken mit doppeltem Boden, Abfluss, etc. Die Amerikaner halten und vermehren sie teilweise sogar in Aquarien (natürlich ohne Wasser), was meiner Meinung nach allerdings wegen der Lüftung und den Arbeiten im Becken unpraktisch erscheint.

Hier muss man sich die Frage stellen: Wie möchte ich mein Becken / meine Anlage handhaben?

Handling, Absaugung oder Abfluss, Lüftung, beschlagene Scheiben, Drosodichtheit, Beregnung oder Handsprühen,...   um nur einige Aspekte zu nennen.

Ich persönlich nutze zwar ausschliesslich Dendrobatenterrarien, aber ein Standardbecken bedeutet nicht automatisch weniger Zuchterfolg oder artgerechte Haltung.

Was die Mindestgrößen von Dendrobatenterrarien angeht, so gibt u.a. die DGHT in ihren Haltungsrichtlinien von Anuren (Stand 2005) für ein Paar Dendrobates tinctorius 1,1 die Flächenmaße 40x30cm bei einer Höhe von 25cm an.

Auch wenn es sich hier um sogenannte Mindestmaße handelt, sehe ich persönlich diese Größe als zu gering an. In vorgenanntem Fall (D.t. 1,1) halte ich einen 40er Würfel (besser noch 50er oder mehr) als absolutes Minimum für ratsamer. Auch haben viele Halter die Erfahrung gemacht, dass ein großes Becken die Zeigefreudigkeit deutlich begünstigt.

Terrarienwand
Terrarienwand

Meine Terrarien haben eine Beregnungsanlage mit mehreren Flüsterpumpen und Ringleitung (wegen dem Druck), pro Becken mehrere Eigenbau-Regendüsen, LED-Module oben im Lichtkasten, Heizkabel unter der vorderen Lüftungsgaze (zum Beheizen, aber auch gut gegen beschlagene Scheiben), eine Be- und Entlüftung (gegen Staunässe), Abfluss im Wassergraben (doppelter Boden) und drosodichte Gaze. Die Temperatur der Becken erreiche ich durch die konstante Raumtemperatur von 20-22°C und den tagsüber zugeschaltenten Heizkabeln unter der Frontgaze. Auf diese Weise habe ich die (für mich) sinnvollste Art der Tag-/Nachtabsenkung, sowie beschlagfreie Scheiben tagsüber und eine hohe Luftfeuchtigkeit nachts.

Regenwald Terrarium
Regenwald Terrarium

Zur Einrichtung:

Die Wände sind mit Styroporplatten inklusive 2PUK / Torfhumusgemisch oder aber mit Xaxim verkleidet. Siehe HIER! Man kann auch kaltgepressten (NICHT DEN VERKLEBTEN!) Dachdeckerkork verwenden. Mit einer Gabel Struktur reinkratzen, einkleben, fertig. Günstiger und schneller geht es nicht. Allerdings ist der Kork aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit nur wenige Jahre haltbar.

Bei den kleinen Jungtierbecken verzichte ich gänzlich auf eine Verkleidung der Seitenwände und sorge stattdessen für einen gewissen Sichtschutz (z.B. durch braune Abdeckfarbe von aussen aufgetragen), erhöhte Sitzplätze und lege nur den Boden mit Pinienrinde oder Laub aus. 

Die meisten Böden bedecke ich (inklusive des mit Filtermatte gesicherten Wassergrabens) mit Pinienrinde und Kakaoblättern.

                   Frisch beflockt                                       Fertig eingerichtet

Im optimalen Fall wuchern die Kokosnussschalen mit zu.

Beim Einrichten -genauer gesagt beim Bepflanzen- gilt ebenfalls: Weniger ist mehr!

Im Normalfall wuchern die Terrarien bei richtiger Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lüftung sehr schnell zu, so dass man die "grüne Hölle" schon recht bald lichten bzw. freischneiden muss.

Die Pflanzen reichen von Moosen und Flechten über Efeu und Philodendron bis hin zu den unverzichtbaren Bromelien. Hinzu kommen dann noch einige Wurzeln oder Korkenzieherlianen. Auch Orchideen und Tillandsien gedeihen prächtig in den Regenwaldterrarien.

Als Bodengrund verwende ich einfach nur Pinienrinde. Hinzu kommen je nach Geschmack und Bedarf grössere Rindenstücke, Laub (insbesondere Kakaoblätter), Steine, etc. Das Wasser kann so den Untergrund "durchspülen" und sammelt sich vorne im Wassergraben, von wo es abfließt. Ein Versuch mit Entengrütze im (ehemals) offenen Wassergraben ergab, dass zwar die Wasserqualität im Graben etwas besser (klarer) wurde und der Graben auch optisch ansprechender war, jedoch neigen die Tausenden von winzigen Blättern dazu, eine "Pflanzenbrücke" von der Wasseroberfläche bis hoch zur Abflußkante zu bilden. Dies hat - bedingt durch die Kapillarwirkung - zur Folge, dass der Wassergraben innerhalb weniger Stunden komplett "leergesogen" werden kann.

 

Als Ablaichplatz (und natürlich auch als Versteckmöglichkeit) biete ich zusätzlich zu den Bromelien halbierte Kokosnußschalen mit einer Petrischale darunter, sowie mehrere schwarze Filmdöschen an. In die Döschen lege ich eine weitere halbierte Dose - wie eine Schublade - um etwaige Gelege besser entnehmen zu können. Diese Plätze werden - wie man sieht - gerne angenommen. Bei O. pumilio kann auf die Kokosnüsse verzichtet werden, bei diesen Fröschen mehr Bromelien und Filmdosen anbieten.

Wer im Terrarium Bambusstangen, Lianen und Co. einsetzen möchte (z.B. für manche Gecko-Arten) wird recht schnell feststellen, dass diese extrem schnell schimmeln. Der Grund dafür ist, dass die Stangen seit der Ernte trocken gelagert, exportiert, zwischengelagert und im Handel ebenfalls trocken gelagert werden. Kommen sie jetzt unmittelbar mit Beregnung und hoher Luftfeuchtigkeit und gleichzeitiger Sauerstoffzufuhr in Kontakt, ist das der Startschuss für Pilze und Sporen.

Man kann diesen Prozess allerdings verhindern oder zumindest stark ausbremsen, indem man die Bambusstangen für 1-2 Tage in einer Plastikwanne mit Wasser legt, um die Poren zu schliessen, bevor man sie im Becken verarbeitet. Außerdem kann man die Enden der "Röhren" mit z.B. Filterschwamm o.ä. verschliessen, um ein Eindringen kleiner Tiere und/oder Futtertiere zu verhindern.

Pflanzen, Begrünung und Eindrücke der Becken.

 

Anlage tagsüber...                ...und morgens bzw. abends im "Dämmerlicht"

Kleinere Becken und Jungtierboxen halt ich recht simpel und überschaulich, um Wachstum und Entwicklung besser beobachten zu können und sie relativ problemlos zu reinigen. Auch kann man so gegebenenfalls die Futteraufnahme einzelner Tiere besser kontrollieren. Trotzdem brauchen natürlich auch die kleinen Frösche ein gewisses Maß an Versteck- und Schlafmöglichkeiten. Also sollte eine Kokosnussschale, etwas Laub und ein Stein zum Aufwärmen sowie eine Wasserschale angeboten werden.

Links: Quarantänebecken                                                Rechts: Jungtierbecken

Weniger ist manchmal mehr...

Die Quarantänebecken (links/grün) sind weder an der Beregnung, noch an dem Abfluß angeschlossen. Das hat zwar bei neu angeschafften Tieren jedesmal für einige Wochen ein Plus an Arbeit zur Folge, verhindert aber die Übertragung von Krankheiten innerhalb der Anlage. Sie sind außerdem (wenn besetzt) mit Küchenpapier ausgelegt und mit leicht zu reinigenden Schalen und Kunstpflanzen ausgestattet. Das trägt zwar nicht wirklich zur Klimaverbesserung im Becken bei, aber es bietet Versteckmöglichkeiten und gewährleistet ein höheres Maß an Sicherheit für den vorhandenen Bestand. Mancher Froschhalter, der den Platz und die Möglichkeit hat, stellt die Quarantänebecken sogar in einem seperatem Raum auf.

Dendrobates tinctorius Citronella beim Koten
Dendrobates tinctorius Citronella beim Koten

Ebenso wie viele andere Froschhalter, so habe auch ich bei der Reinigung der Terrarien feststellen müssen, dass meine Pfleglinge mit wachsender Begeisterung auf die warme (weil Heizkabel darunter) Frontgaze koten. Natürlich nicht ausschließlich, aber immer wieder gerne. Warum die Tiere das tun, will sich mir nicht so ganz erschließen, ich kann nur mutmaßen, dass die Wärme der Verdauung zuträglich ist, oder dass sie - lapidar gesagt - beim Kacken gerne einen warmen Arsch haben.