Terrarien


In meiner Anlage kommen Terrarien unterschiedlicher Größe und Art zum Einsatz.

Prinzipiell kann man Dendrobaten in fast allen möglichen Terrarien halten, ganz gleich, ob nun in Standardbecken oder in speziellen Dendrobatenbecken mit doppeltem Boden, Abfluss, etc. Die Amerikaner halten und vermehren sie teilweise sogar in Aquarien (natürlich ohne Wasser), was meiner Meinung nach allerdings a.) wegen der Lüftung und b.) dem Handling im Becken unpraktisch erscheint.

Ich persönlich nutze zwar aus Bequemlichkeit (Abfluss=kein Absaugen) ausschliesslich Dendrobatenterrarien, aber Standardbecken bedeuten keinesfalls weniger Zuchterfolg oder artgerechte Haltung.

Die nötige Größe eines Terrariums für Pfeilgiftfrösche hängt ab von der gewünschten Art, der Einrichtung und auch der Anzahl der zu beherbergenden Dendrobaten. Nach oben gibt es natürlich keine (oder kaum) Grenzen, aber einen groben Überblick kann man sich hier verschaffen: 

http://www.anuren.de/index.php/projekte/haltungsrichtlinien

 

Terrarienwand
Terrarienwand
Terrarienwand
Terrarienwand

Meine Terrarien haben eine Beregnungsanlage mit mehreren Flüsterpumpen und Ringleitung (wegen dem Druck), pro Becken mehrere Eigenbau-Regendüsen, LED-Module oben im Lichtkasten, Heizkabel unter der vorderen Lüftungsgaze (zum Beheizen, aber auch gut gegen beschlagene Scheiben), eine Be- und Entlüftung (gegen Staunässe), Abfluss im Wassergraben (doppelter Boden), drosodichte Gaze und Silikonlippe zwischen den Scheiben. Die Temperatur der Becken erreiche ich durch eine konstante Raumtemperatur über die Heizkörperthermostate von ca. 20°C und den tagsüber zugeschaltenten Heizkabeln unter der Frontgaze. Auf diese Weise habe ich die (für mich) sinnvollste Art der Tag-/Nachtabsenkung, sowie beschlagfreie Scheiben tagsüber und eine hohe Luftfeuchtigkeit nachts. Abgesehen davon bekomme ich auch im heissesten Hochsommer keine Temperaturprobleme, wie sie bei einer Temperatur-Regelung über die Beleuchtung schnell entstehen kann.

Regenwald Terrarium
Regenwald Terrarium

Zur Einrichtung:

In meiner Anlage sind zwar mittlerweile alle Wände mit Xaxim verkleidet, man kann aber auch Styroporplatten inklusive 2PUK / Torfhumusgemisch (siehe HIER) oder kaltgepressten (NICHT DEN VERKLEBTEN!) Dachdeckerkork verwenden. Mit einer Gabel Struktur in den Kork reinkratzen, einkleben, fertig. Günstiger und schneller geht es nicht. Allerdings ist der Kork aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit nicht sonderlich lange haltbar.

Die meisten Böden bedecke ich (inklusive des mit Filtermatte gesicherten Wassergrabens) mit Pinienrinde und Kakaoblättern. Ergo existiert bei mir kein Wassergraben, lieber stelle ich eine kleine Schale frisches Wasser hinein.

                   Frisch beflockt                                       Fertig eingerichtet

Im optimalen Fall wuchern die Kokosnussschalen mit zu.

Beim Einrichten -genauer gesagt beim Bepflanzen- gilt ebenfalls: Weniger ist mehr!

Im Normalfall wuchern die Terrarien bei richtiger Beleuchtung, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lüftung sehr schnell zu, so dass man die "grüne Hölle" schon recht bald lichten bzw. freischneiden muss.

Die Pflanzen reichen von Moosen und Flechten über Efeu und Philodendron bis hin zu den unverzichtbaren Bromelien. Hinzu kommen dann noch einige Wurzeln oder Korkenzieherlianen. Auch Orchideen und Tillandsien gedeihen prächtig in den Regenwaldterrarien.

Als Bodengrund verwende ich einfach nur Pinienrinde. Hinzu kommen je nach Geschmack und Bedarf grössere Rindenstücke, tropisches Laub, Steine, etc. Das Wasser kann so den Untergrund "durchspülen" und sammelt sich vorne im Wassergraben, von wo es abfließt. Ein Versuch mit Entengrütze im (ehemals  offenen) Wassergraben ergab, dass zwar die Wasserqualität im Graben etwas besser (bzw. klarer) wurde und der Graben auch optisch ansprechender war, jedoch neigen die Tausenden von winzigen Blättern dazu, eine "Pflanzenbrücke" von der Wasseroberfläche bis hoch zur Abflußkante oder dem Ufer zu bilden. Dies hat - bedingt durch die Kapillarwirkung - zur Folge, dass der Wassergraben innerhalb weniger Stunden komplett "leergesogen" wird und/oder der Bodengrund versumpft.

 

Als Ablaichplatz (und natürlich auch als Versteckmöglichkeit) biete ich zusätzlich zu den Bromelien halbierte Kokosnußschalen mit einer Petrischale darunter, sowie mehrere schwarze Filmdöschen an. In die Döschen lege ich eine weitere halbierte Dose - wie eine Schublade - um etwaige Gelege besser entnehmen zu können. Diese Plätze werden - wie man sieht - gerne angenommen. Bei oophagen Arten, wie z.B. pumilio kann auf die Kokosnüsse verzichtet werden, bei diesen Fröschen sollte man mehr Bromelien und Filmdosen anbieten.

Wer im Terrarium Bambusstangen, Lianen und Co. einsetzen möchte (z.B. für manche Gecko-Arten) wird recht schnell feststellen, dass diese extrem schnell schimmeln. Der Grund dafür ist, dass die Stangen seit der Ernte trocken gelagert, exportiert, zwischengelagert und im Handel ebenfalls trocken gelagert werden. Kommen sie jetzt unmittelbar mit Beregnung und hoher Luftfeuchtigkeit und gleichzeitiger Sauerstoffzufuhr in Kontakt, ist das der Startschuss für Pilze und Sporen.

Man kann diesen Prozess allerdings etwas ausbremsen, indem man die Bambusstangen für 1-2 Tage in einer Plastikwanne mit Wasser legt, um die Poren zu schliessen, bevor man sie im Becken verarbeitet.

Pflanzen, Begrünung und Eindrücke der Becken.

 

Meine Anlage tagsüber...      ...und morgens bzw. abends im "Dämmerlicht"

Kleinere Becken bzw. Jungtierboxen halt ich recht simpel und überschaulich, um Wachstum und Entwicklung besser beobachten zu können und sie relativ problemlos zu reinigen. Auch kann man so gegebenenfalls die Futteraufnahme einzelner Tiere besser kontrollieren. Trotzdem brauchen natürlich auch die kleinen Frösche ein gewisses Maß an Versteck- und Schlafmöglichkeiten. Also sollte eine Kokosnussschale, etwas Laub und ein Stein zum Aufwärmen sowie eine Wasserschale angeboten werden.

Links: Quarantänebecken                                          Rechts: Bspl. Jungtierbecken

Weniger ist manchmal mehr...

Die Quarantänebecken (links/grün) sind weder an der Beregnung, noch an dem Abfluß angeschlossen. Das hat zwar bei neu angeschafften Tieren jedesmal für einige Wochen ein Plus an Arbeit zur Folge, verhindert aber die Übertragung von Krankheiten innerhalb der Anlage. Sie sind außerdem (wenn besetzt) mit Küchenpapier ausgelegt und mit leicht zu reinigenden Schalen und Kunstpflanzen ausgestattet. Das trägt zwar nicht unbedingt zur Klimaverbesserung im Becken bei, aber es bietet Versteckmöglichkeiten und gewährleistet ein höheres Maß an Sicherheit für den vorhandenen Bestand. Mancher Froschhalter, der den Platz und die Möglichkeit hat, stellt die Quarantänebecken sogar in einem seperatem Raum auf.

Dendrobates tinctorius Citronella beim Koten
Dendrobates tinctorius Citronella beim Koten

Ebenso wie viele andere Froschhalter, so habe auch ich bei der Reinigung der Terrarien feststellen müssen, dass meine Pfleglinge mit wachsender Begeisterung auf die warme (weil Heizkabel darunter) Frontgaze koten. Natürlich nicht ausschließlich, aber immer wieder gerne. Warum die Tiere das tun, will sich mir nicht so ganz erschließen, ich kann nur mutmaßen, dass die Wärme der Verdauung zuträglich ist, oder dass sie - lapidar gesagt - beim Kacken gerne einen warmen Arsch haben.