Eigenbau-Quappenanlage


UPDATE siehe LANDGÄNGERPOOL

Es gibt viele Möglichkeiten, Quappen zu zeitigen. Man kann Quappenaufzuchtanlagen kaufen oder unzählige Joghurtbecher verwenden. Ersteres war mir bisher für meine Anzahl an Kaulquappen zu teuer und Letzteres aufgrund des sehr oft nötigen Wasserwechsels zu arbeitsintensiv. Daher habe ich mich anfangs für folgende Möglichkeit entschieden:

Grundlage der Anlage ist ein 200 Liter Doppelkammer-Aquarium mit den Maßen 100x50x50cm (2x 50x50x50cm).

Die Temperatur beträgt ca. 24°C (100W-Heizstab), Wasserhärte 1°dH und der ph-Wert liegt z.Z. bei ca. 7. Als Filter verwende ich auf jeder Seite eine Filterschwamm-Kammer mit einem Eheim Compat 300 "Pümpchen" und ein Kompressor versorgt je zwei Sauerstoffsteine, wodurch das Wasser mit Sauerstoff angereichert und obendrein noch mehr in Bewegung versetzt wird. Das u.U. bernsteinfarbene Wasser ensteht durch eine Mixtur aus dem enthärtetem Wasser und anderen Zutaten zur Stabilisierung der Wasserwerte, wie z.B. Kakaoblätter, Rotbuschtee, Torf, Eichenblätter oder -extrakt, Seemandelblätter, Erlenzapfen, und vieles mehr. Ich kann hier nur empfehlen, einfach mal zu experimentieren, bis die gewünschten Werte erreicht sind.

Chemische Produkte in der Art von "ph-Minus" sollten nach Möglichkeit vermieden werden, schon alleine, da (einmal zugefügt) die Gefahr eines unkontrollierbaren Absinkens des ph-Wertes in den Säure-Bereich nicht zu unterschätzen ist.

Ich verwende zur Wasserüberprüfung z.B. derzeit die 6 in 1 Easy Test-Streifen von JBL.

Mit diesen habe ich innerhalb weniger Sekunden ph-Wert, Gesamthärte, Karbonathärte, Stickstoffdioxid, Nitrat und Chlor ermittelt.

Auf Einrichtung und Tierbesatz des  Aquariums verzichte ich weitestgehend um die Wasserqualität nicht zu verschlechtern. Lediglich einige Raubschnecken (Helena) ziehen als Restevertilger und Schneckenkiller ihre Runden. Es sollte aber auf eine sichere Trennung von Schnecken und Quappen geachtet werden, da erstere sich sonst an unseren Zöglingen vergreifen können, in dem Fall sollte man besser auf Schnecken verzichten.

Sobald in der zukünftigen Kaulquappenanlage die Werte stimmen und alles eingefahren ist, geht es an die Umsetzung eines Rahmens, indem man die Behälter für die Quappen einsetzen kann. Diese Dosen sollen allerdings einzeln höhenverstellbar sein und selbst bei niedrigstem Wasserstand (in den Dosen) noch vom Aquariendeckel (Plexiglas in Profilen zum Schieben) bedeckt sein, um zuviel Verdunstung zu vermeiden. Styroporinseln u.ä. schieden wegen Bewegung, Flocken und Krümel und Platzverschwendung aus. Das Endresultat besteht aus einem geklebtem Gestell aus Kunststoff-Kabelkanal mit sogenanntem "Kantenschutz" (um die Behälter rutschsicher zu positionieren). Diese Konstruktion muss sowohl an die einzelnen Becher als auch an das Aquarium angepasst werden.

Die Dosen bzw Behälter in meinem Quappenpool bekommen mit einer Lochsäge und VIIIIIIIIIIIIIIEL Gefühl ein Loch in den Boden, über welches Gaze geklebt wird. Am besten mit Aquariensilikon, da die Heissklebe-Variante an dauerhafter Haltbarkeit zu wünschen übrig lässt.

Unterm Strich hat dieser Umbau den Vorteil, dass sich zum einen beim Verschieben der Dosen nach oben oder unten automatisch der Wasserstand ändert und zum anderen, dass überschüssige Futterreste und Kot aus den Behältern von selbst nach unten "rausfallen".

Eine funktionale Aufzuchtstation für die Gelege / Quappen sollte zumindest ab einer bestimmten Anzahl an Nachzuchten vorhanden sein. Anfangs dürfte eine Sammlung von Joghurtbechern oder ein Sortimentkasten (Vorsicht bei Neuware: Ausdünstung von Lösemitteln etc) ausreichen. Allerdings ist bei dieser Aufzuchtvariante auf die Wasserqualität -sprich-regelmäßigen Wasserwechsel zu achten. Aufgrund der kannibalistischen Veranlagung der Qappen einiger Froscharten (z.B. bei D. tinctorius) ist es in den meisten Fällen ratsam, die Quappen bis zum Austreten der Beine während der Metamorphose seperat zu pflegen, bis sie gemeinsam ins Landgänger-/ Aufzuchtbecken umgesetzt werden können. Andere Arten wie Phyllobates terribilis oder Epipedobates anthonyi können gemeinsam großgezogen werden.

 

Alternativ zu der günstigeren Eigenbau-Variante kann man auch Ablaichkästen aus der Aquaristik im Aufzuchtaquarium verwenden. Diese haben zwar bereits Schwimmer links und rechts, aber daher besteht kaum eine Möglichkeit, den Wasserstand in den Boxen zu regulieren. Des weiteren müssen auch diese Kästen weiter unterteilt werden, um auf eine vergleichbare Anzahl Aufzuchtboxen zu kommen.

Man kann jedoch auch Arten wie z.B. Dendrobates, Phyllobates, Epipedobates oder Excidobates gemeinsam aufziehen, wobei allerdings unbedingt auf große Behältnisse, viel Wasser, reichlich Versteckmöglichkeiten und jederzeit reichlich Futter geachtet werden muß. Die Behälter sollten (egal ob kleine Aquarien, Boxen, oder was auch immer) jedoch nie überbesetzt werden. So habe ich selbst bei einer Größe von 40x60x15 cm und max 10 Quappen kaum Ausfälle gehabt. Andererseits sind die auf diese Art aufgezogenen Jungtiere schon beim Landgang deutlich größer als die in Einzelhaft gezeitigten Frösche.

Einige Blätter und etwas Moos sind als Versteck und Futter ebenso sehr geeignet.

Die Unterschiede der gemeinschaftlichen Poolaufzucht zur herkömmlichen Einzelaufzucht sind offensichtlich! (Siehe Bild 3, rechts)